• Blog über Wein und Genuss

Käse und Wein – einfach? Nee!

„Käse und Wein“ hört sich nicht so spektakulär an, vielleicht sogar etwas langweilig. Muss aber nicht. Kommt auf den Käse an, kommt sicher auf den Wein an und hängt auch an den Leuten, mit denen man sich durchprobiert. Ich hatte das Vergnügen mit Sybille Sonderfeld-Fresko und ihrem Mann Wolfgang gefühlt unendliche Kombinationen von Käse und Wein probiert zu haben. Sybille gehört zu „Die am Deich“, sie betreibt mit ihrem Bruder Theo einen Bioland-Hof in Kleve. Der Käse, hergestellt aus eigener Milch, und die verschiedene Salami aus eigener Herstellung waren wie immer ein Genuß.

DSCF2855Der Wein für sich war natürlich auch gut. Aber die Kombination zeigte sich von der erwartet schwierigen Seite. Da stellte sich z.B. der mittelalte Gouda dem Wein: Bianco di Sicilia (weiß – Sizilien) und der Rouge des Fées (rot – Languedoc), das war okay; Sangiovese (rot – Toskana) geht so, der Wein wirkte holzbetonter – eher negativ; Chardonnay (weiß – Argentinien) tut dem Käse nichts; Riesling (weiß – Rheingau) schmeckt nur noch wie Wasser. L`amour rouge: Der Bianco di Sicilia lässt sich nicht unterkriegen; der Riesling schmeckt eher unangenehm, metallisch; der Chardonnay drängt den Käse stark zurück, ähnlich verhält sich der Sangiovese; beim Rouge des Fées kommen die Tannine stärker durch – nicht gut. Brennessel Gouda: Bianco di Sicilia ist okay, wirkt blumiger; Riesling erscheint dünn und flach; Chardonnay passt gut, ebenso der Sangiovese; Rouge des Fées ist okay. – Die probierten Weine sind alle eher dem trockenen Bereich zuzuordnen. Insgesamt entpuppte sich für mich der Bianco di Sicilia (eher ein einfacher Wein) als kleine Wunderwaffe, während der  Riesling (solo getrunken super) sich dagegen sehr schwer tat.

Diese drei Kombinationen sollen reichen; der Abend fand natürlich noch in einigen anderen  Käse- und Wurstsorten, verbunden mit Wein, seine Fortsetzung. Ich empfinde das Thema aufgrund der nahezu unendlichen Kombinationsmöglichkeiten sehr spannend und gleichzeitig richtig schwierig. Da hilft auch so manches schlaue Buch nur bedingt weiter. Mit etwas Theorie im Hinterkopf muss man einfach immer wieder aufs Neue ausprobieren und neugierig sein. Unabhängig davon spielt das eigene Geschmacksempfinden eine Rolle. Auch an diesem Abend standen sich des öfteren recht verschiedene Meinungen gegenüber!

So mancher Käse ließ den Wein alt aussehen. Dagegen verhielt sich die Salami dem Wein gegenüber gemäßigter. Selbst, wenn nicht jede Kombination gelungen war, so konnte der Wein doch noch bestehen. Käse mit wirklich teuren Weinen zu kombinieren, geht für mich nur, wenn ich mich auf einen kompetenten Fachmann verlassen kann. Da gibt es dann die Hoffnung auf ein unvergessliches Geschmachserlebnis. Ansonsten wäre mir das Risiko zu groß, dass der tolle Wein untergeht.

Nichts macht mehr Spaß als selber ausprobieren: Ist ganz zufällig eine Flasche Wein geöffnet, und hat der Kühlschrank vielleicht noch ein Stückchen Käse zu bieten, dann einfach mal beides zusammen im Munde zergehen lassen. Um etwas bewußter zu genießen, macht es Sinn z.B. auf folgende Punkte achten:

  • mildert der Käse die Säure im Wein
  • verliert der Wein seine Frische
  • wird der Wein fruchtiger
  • werden die Tannine verstärkt, d.h. das Bittere dominiert
  • wirkt der Wein metallisch
  • wird der Käse cremiger
  • können beide zusammen geschmacklich existieren
  • wird der Geschmack insgesamt intensiver

 

PS: Auf dem Biolandhof von „Die am Deich“ ist für Anfang September ein vergnüglicher Abend mit Käse und Wein geplant –  http://www.die-am-deich.de

 

 

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