• Blog über Wein und Genuss

Australien privat

Eine private Einladung in einem fremden Land kann manchmal mehr wert sein, als sich eine Sehenswürdigkeit anzusehen, die zur Not auch im Reiseführer bebildert ist. Wir waren eingeladen bei Giorge (Giorgina) und ihrem Mann Macca (Matthew). Die beiden sind Freude von Felix (unser Sohn) und Anastasia (seine Freundin). Giorge ist Australierin mit italienischen Wurzeln. Macca, gebürtig aus Wales, lebt seit 15 Jahren in Adelaide. Dies verdeutlicht beispielhaft den Kulturmix der in Australien lebenden Menschen. Wie so ein Abend im privaten Rahmen wohl wird? Der Start war sehr unkompliziert – wir kannten uns nicht. Es bestand von Anfang an eine nette Atmosphäre. Das vorgezogene Urteil kann nur lauten: Genialer Abend!

Die schöne offene Küche war die Verbindung zu Eß- und Wohnzimmer. DSCF1275 Der Platz am Eßtisch bedeutete damit den stetigen Kontakt zu den Gastgebern, die immer wieder in der Küche weiter gewirbelt haben. Als Start gab es ein englisches Pale Ale (…. die britischen Wurzeln), dazu Gemüsesticks mit außergewöhnlichen Dips. Danach stand eher der Wein im Mittelpunkt. Den Auftakt machte der 1990er Cabernet Sauvignon St. Hugo von Orlando; mit Anklängen an Schattenmorellen, Marzipan und Schokolade. Der leichte Sherryton irritierte mich dann doch. Zum Glück empfand es der Gastgeber auch so. Der Wein hatte seinen Höhepunkt überschritten. Mir wäre es in dieser Situation unangenehm gewesen, dies ehrlich zu sagen. Trotzdem passte der Wein zur feinen Pilzcremesuppe. Wobei ich die Kombination von Suppe und Wein schwierig finde. Muß ich zur Suppe wein Trinken? Das Brot zur Suppe war richtig lecker, in Australien nicht selbstverständlich.

Weiter ging es mit dem 1986er Kalimna Shiraz-Bin 28 von Penfolds. Erste Reaktion von Anastasia: Der ist ja älter als ich. Der Wein präsentierte sich tatsächlich noch frisch und war sehr gut zu trinken, eine Überraschung. Die Kombination zum tollen Hauptgang kann man als gelungen bezeichnen. Zum dunklen, zarten Gulasch gibt es knackige Erbsen, gebackene Kartoffeln und Yorkshire-Pudding (… erneut die britischen Wurzeln) .

Und dann der 2002er Greenock Creek, Alices Shiraz. Ein Monster-Shiraz; mit 16,5% Alkohol kein Wein zum mal eben wegschlürfen. Solch einen Wein kann man eher solo trinken, als ihn mit irgendeiner Speise zu kombinieren, echt spannend. Der Wein wurde von Robert Parker hoch gelobt, und war entsprechend schnell ausverkauft. Parker, ein Wein-Journalist, hat mit seiner Punktewertung großen Einfluß auf die Weinwelt – weltweit!

Zum leckeren Tiramisu gibt es ganz profan Kaffee. Um den Abend ausklingenzu lassen, kommt der Käse auf den Tisch; feinste, regionale „Milchprodukte“ aus Barossa Valley und von Kangaroo Island. Doch der Abend wird noch länger – Macca läuft zur Höchstform auf, und krendzt uns noch 3 Süßweine. Da Giorge kaum Alkohol trinkt, erfreut sich Meacca immer an interessierte Mittrinker. – Aufgrund der hohen Preise für Alkohol bringt man in Australien sonst üblicherweise sein alkohlisches Getränk selber mit.

Also die Süßweine: Es beginnt mit „The mistery one“, eine kleine Flasche ohne Etikett, mit umwerfenden Inhalt. DSCF1287Wir erfahren nur so viel, dass es sich um eine ungewöhnliche Kombination von Cabernet Sauvignon und Shiraz handelt, 18 Jahre alt, misteriös lecker mit deutlichen Orangat-Aromen. Der 2010er Pertaringa, Vintage Fortifield ist auch nicht zu verachten. Als Finale mein Favorit: Bluestone von Penfolds, ein 10 Jahre alter Portwein. Ein herrlicher Duft hüpft aus dem Glas, die Farbe richtig schön bernsteinfarben. – Immer mal wieder ein kleines Schlückchen nehmen, so kann der Abend weitergehen oder vielleicht auch langsam ausklingen.

Fazit: Zu viel lecker gegessen, viel getrunken (aber nicht zu viel!), herrlich zufriedene Bettschwere nach einem langen Abend mit wirklich netten Gastgebern!

 

 

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