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Rheingau – eine Reise wert

Ich habe vor ein paar Wochen einige Tage im Rheingau verbracht, genauer gesagt in Östrich-Winkel. Und war es schön? Jaaa! Meine Aussage „ich fahre nach Östrich-Winkel“ wurde von Freunden und Bekannten immer kommentiert mit „Östrich-was? – häh, wohin fährst du?“ – Rheingau. Die Gegend hat aber kaum einer wirklich auf dem Schirm. Die, die sich näher mit Wein beschäftigen, hatten natürlich den Überblick.

Rheingau ist die Gegend, wo sich der Rhein überlegt hat, mal für ein kurzes Stück von Osten nach Westen zu fließen. Dieses Weingebiet umfasst eine Länge von 38km mit 2-3 km Breite. So kommen ca. 3100 ha Rebfläche zustande, davon sind 350 ha Steillage. Rebsortenspiegel: 80% Riesling, 12% Spätburgunder, der Rest ist weniger bedeutend.

Rheingau gilt als Riesling-Land. Anfang des 20.Jahrhunderts standen diese Weine international hoch im Kurs, da sprach z.B. noch keiner von Bordeaux Wein. Dementsprechend gibt es viele herausragende Weingüter mit langer Tradition: Schloß Johannisberg, Schloß Vollrads, Kloster Eberbach (wesentlicher Drehort für den Film „Im Namen der Rose“), Weingut Robert Weil, Weingut Georg Breuer, um nur einige zu nennen. Das Gegengewicht dazu stellen die vielen kleineren Weingüter, z.T. sehr innovativ von der nachrückenden Generation geführt. Diese Bandbreite macht Spaß. Man bekommt guten, bezahlbaren Wein. Man kann aber für außergewöhnliche Qualität auch sehr tief in die Tasche greifen.

Eben diese Bandbreite spiegelt sich auch in der Gastronomie wieder. Von der einfachen Gutsschänke/Staußwirtschaft bis zur Sterne-Küche alles ist möglich. Für Raritäten Weine, begleitet von einem passenden Menü kann man schnell mal einige Hundert Euro pro Person bezahlen. Die Nähe zu Frankfurt erleichtert sicher derartige Veranstaltungen anzubieten.

Die Verschiedenartigkeit wird für mich besonders deutlich in Rüdesheim. Im Zentrum die allseits bekannte, spannende Drosselgasse ausgelegt auf Jubel, Trubel, Heiterkeit mit unendlich vielen Touristen, nicht selten asiatischer Herkunft. Zur besseren Orientierung trifft man immer wieder auf asiatische Schriftzeichen. Nur fünf Minuten davon entfernt kann man sich z.B. in ganz anderer Atmosphäre in der Vinothek des Weinguts Georg Breuer an Spitzenweinen erfreuen. Verlässt mann das Zentrum in die andere Richtung, so befindet man sich nach relativ kurzer Zeit in verschiedenen Riesling-Spitzenlagen.

Darüber hinaus darf natürlich die Hochschule Geisenheim nicht unerwähnt bleiben. Was Ausbildung und Forschung im Bereich Weinbau betrifft, geniesst diese Hochschule einen international hohes Ansehen.

Ohne den ein oder anderen Besuch beim Winzer fehlt sicher etwas. Größere Weingüter bieten gewisse Öffnungszeiten. Bei kleineren Winzern melde ich mich vorher an. Bei zwei namhaften Gütern – mit offiziellen Öffnungszeiten – hatte ich leider den Eindruck nicht wirklich willkommen zu sein. In so einer Situation ist mir meine Zeit wahrlich zu kostbar. Da kommt es für mich schnell zum Danke und Auf Wiedersehen. Es ist eigentlich nicht meine Art mich durchzuprobieren ohne etwas zu kaufen…..

Wie immer taucht aber aus dem Nichts das positive Aha-Erlebnis auf. Hier war es das Weingut Balthasar Ress in Person Kenneth Barnes. Die eher spontane Verkostung mit tollen Weinen gepaart mit ziemlich lockeren, aber kompetenten Sprüchen und Kommentaren geriet zum Vergnügen – (der Riesling schmeckt nach Pfirsich, längs geschnitten nicht quer…). Die Probe begann mit einem Gutswein, und endete beim Großen Gewächs – qualitativ vergleichbar mit Grand Cru Weinen aus Frankreich. Getopt wurde das Ganze durch den Orange-Wein und die Naturweine.  Derartige Weine werden maischevergoren, d.h. sie werden als Weißweine produziert wie Rotweine. Diese Weine fallen sensorisch aus dem Rahmen.

Der Rheingau kann ein guter Ausgangspunkt sein, um andere Weinbauregionen zu besuchen. Die Nahe und der Mittelrhein sind schnell zu erreichen. Oder einmal mit der Fähre von Östrich-Winkel über den Rhein und schon befindet man sich in Rheinhessen, genauer gesagt in Ingelheim. Dort lohnt sich ein Besuch im Weingut Huster. Die Staußwirtschaft zählt zu den besten in Rheinhessen. Die Weine lassen sich gut trinken, ohne simpel zu sein und das bei vernünftigen Preisen.

 

 

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