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Großes Gewächs – ein Erlebnis

Die Veranstaltung, VDP-Tour Präsentation der Großen Gewächse in Köln, war ein Erlebnis. Auf der einen Seite steht die geballte Ladung genialer Weine. Auf der anderen Seite stehen aber auch die interessanten Gespräche und Kommentare, die man so mitbekommt. Neben absoluter Fachkompetenz hat man manchmal auch eher unwissende Wichtigtuerei im Ohr. Ein bisschen Bohei gehört wohl dazu. Ein Winzer hat mir mal gesagt, der Wein wird erst kompliziert, wenn er das Weingut verlässt….

Mir gefiel die Ansicht von Dirk Rosinski vom Weingut Knipser. Bei aller Ernsthaftigkeit sollte der Wein nicht zu akademisch gesehen werden, sonst bleibt der Spaß auf der Strecke. Wir müssen keinen Wein trinken, Wasser würde es auch tun. Das Genießen können, bedeutet Spaß auf hohem Niveau. Der sensorische Vortrag über einen besonderen Wein beschert dem Vortragenden manches Mal nicht den Spaß, den der einfach Genießende erlebt.

Das empfand ich beim Spätburgunder Burgweg von Knipser. Die Nase wollte den Duft des Weines gar nicht mehr hergeben. Differenziert wahrgenommen, ergaben sich Aromen von Himbeer, Rauch, Kirsche, Kaffee und Zigarrenkiste. Die Aufdröselung in einzelne Aromen war spannend, der Duft im Ganzen dagegen begeisterte mich. Dirk Rosinski brachte es auf den Punkt. Egal auf welcher Qualitätstufe, wichtig ist: „Der Wein nimmt mich ein“.

Die Großen Gewächse zeichnen sich durch eine lange Lagerfähigkeit aus. So wurde der Winzer am Stand vom Weingut Jean Stodden gefragt, wie lange man den Wein denn nun wirklich lagern könnte. Die Antwort lautete: „Wie lange haben Sie denn Geduld?“ Gleich hinter kam der passende Spruch. „Der größte Feind des Weines ist der Korkenzieher“. Seine Spätburgunder Großes Gewächs können bei guten Bedingungen durchaus 20-25 Jahre lagern.

Und dann war da noch die Sache mit dem Kork. Ich bekam meinen Spätburgunder-Probeschluck aus einer recht vollen Flasche. Der Geruch des Weines irrtierte mich ein wenig – Korkschmecker?! Die Tatsache, dass der Wein erst frisch geöffnet worden war, ließ mich vermuten, der Wein braucht noch etwas Luft. Ich wollte nicht den Klugscheißer spielen. Außerdem stand für mich außer Frage, dass bei solch einer anspruchsvollen Veranstaltung die Weine vor dem Ausschenken probiert werden. Der Wein hatte Kork. So etwas darf natürlich nicht passieren – macht es aber menschlich! Die Entschuldigung kam prompt, das ganze war der Hektik am Stand geschuldet. Dieser Anlass führte zur üblichen Verschluss-Diskussion mit sehr unterschiedlichen Meinungen – ohne Ergebnis.

 

Immer wieder interessant finde ich die Stimmung bzw. Atmosphäre an den einzelnen Probiertischen. Mal lebendig, freundlich. Mal mehr kühl distanziert. Mal bekommt man noch detailliertere Infos. Mal entstehen nette Gespräche über den Tellerrand hinaus. Mal wird man eher nebenbei bedient – komischerweise passiert dies selten bei den vermeintlich großen, bekannten Weingütern. Na ja, nicht jeder Winzer kann auch Entertainer sein. Manchmal sprechen dann die Weine eben für sich.

Ein Erlebnis war es auf jeden Fall.

 

 

 

 

 

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